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Jahresausblick 2026

Wie war die Entwicklung der Märkte in 2025? Und was erwarten wir für das Jahr 2026? In diesem Beitrag machen wir einen Rückblick auf das vergangene Jahr und widmen uns den Chancen und Risiken des laufenden Jahres.

Mann im Anzug schaut in die Ferne


Wie war die Entwicklung der Märkte in 2025?

- Alle Angaben ohne Gewähr -

 

Das Jahr 2025 hat das gehalten, was wir im letzten Ausblick vermutet hatten: Spannung und Volatilität. Die US-Märkte profitierten weiterhin von der KI-Fantasie, wenngleich die Schwankungen (VIX) zunahmen. Hauptgrund für die zunehmende Schwankung waren die Trump-Zölle. Auch Europa konnte trotz schwächelnder Konjunktur der beiden großen Wirtschaftsländer (Deutschland, Frankreich) von der KI-Fantasie profitieren. Erfreulicherweise haben auch die wichtigen Aktienmärkte in Asien eine durchaus beachtenswerte Entwicklung erfahren. In Japan keimte die Hoffnung auf eine expansive Geldpolitik auf. Auch China konnte von der Hoffnung auf weiter billiges Geld und weiterer Reformen vom Staat profitieren. Und dies, obwohl der Immobilienmarkt in China nach wie vor mit einem Nachfragedefizit zu kämpfen hat. 

Bei den Anleihen blieb aufgrund verschiedener Faktoren der von uns erwartete kräftigere Anstieg aus. Dennoch haben die meisten Anleihefonds in Ihrem Depot ein leichtes Plus erwirtschaftet. Auch wenn der Bund Future das Jahr erneut mit einem Minus abgeschlossen hat. Bei den Fremdwährungsanleihen hatte leider die Schwäche des USD zu einem eher mäßigen Erfolg beigetragen. Hier erwarten wir auf alle Fälle deutliche Besserung. 

Welche Entwicklung erwarten wir nun für 2026?

Zweifelsohne war das Jahr 2025 ein gutes Börsenjahr für Aktien und Rohstoffe, insbesondere Edelmetalle. Silber hat mit einem Zuwachs von etwas über 130% definitiv überrascht und damit Gold (+66%) deutlich in der Wertentwicklung hinter sich gelassen. Viele Analysten erwarten für 2026 ebenso eine gute Entwicklung bei den Aktien und auch bei den Edelmetallen. Die makroökonomischen Vorzeichen hierfür sehen tatsächlich gut aus. Damit es an den Börsen weiter aufwärts geht, ist eines von Nöten: Kapital, welches investiert wird. Umso mehr, umso besser. Und tatsächlich könnte dieses auch in 2026 ausreichend zur Verfügung stehen. Denn die USA besorgen sich mit Zollandrohungen laufend Investoren aus dem Ausland, die sich bereit erklärt haben, in den USA zu investieren. Auch Japan ist aufgrund seiner neuen Premierministerin dem lockeren Geld wieder deutlich näher gekommen. Frau Takaichi gilt als ausgesprochene Befürworterin einer expansiven Geldpolitik. China wird ebenfalls versuchen, seine Wirtschaft weiterhin mit billigem Geld zu stützen. Lediglich bei uns in Europa zeigt sich ein differenziertes Bild. Aber dazu später mehr.

  • USA: Der hohe Preis des Erfolgs

Wie bereits letztes Jahr thematisiert, kaufen sich die USA ihr Wirtschaftswachstum mit einer ausufernden Verschuldung. Sowohl der Staat (inzwischen 38 Billionen USD) als auch viele Unternehmen und Privatleute sind mit ihrer Verschuldung inzwischen am Limit. Die US-Regierung ist sich dessen im Klaren und versucht über Zölle Arbeitsplätze wieder ins Land zu holen. Der Industriesektor trägt seit längerer Zeit nur noch ca. 17% zum BIP (Bruttoinlandsprodukt) bei. Die Arbeitsplätze der Industrie sind längst in Niedriglohnländer abgewandert. Die Trump-Regierung versucht nun gegenzusteuern. Zölle gelten hier als Allheilmittel. Mal sehen, ob dies wirklich gelingt. Immerhin muss aber goutiert werden, dass einige Länder ordentliche Investitionssummen der US-Regierung gegenüber in Aussicht gestellt haben (über 7 Billionen USD). Dies könnte das amerikanische Wirtschaftswachstum auch in 2026 weiter antreiben. Die Inflation ist indes kein großes Problem mehr. Mit 2,7% ist zwar noch nicht die Wunschvorstellung von nahezu 2% erreicht. Aber zumindest sind die Horrorzahlen von über 9% aus dem Jahre 2022 in weite Ferne gerückt. Die FED hat es daher nicht eilig, die Zinsen schnell zu senken. Dies kann als Signal gewertet werden, dass der Arbeitsmarkt - trotz seiner aufkeimenden Schwäche – immer noch als stabil angesehen wird. 

Grundsätzlich sind somit die Rahmendaten für weiter steigende Kurse gegeben. Investitionen in die Wirtschaft finden statt und die Unternehmen freuen sich über weiter steigende Gewinne. Wäre da nicht die hohe Bewertung am Aktienmarkt. Denn die Kurse sind die letzten Jahre schneller angestiegen als die Unternehmensgewinne. Angetrieben von der Euphorie im Bereich um die künstliche Intelligenz hat es gerade bei den hier involvierten Unternehmen hohe Kursanstiege gegeben. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im S&P 500 liegt aktuell bei 25,7. Zur Einordnung: der Durchschnitt der letzten 20 Jahre liegt bei 17,7 und das Tief im Jahre 2011 bei 11,2. Von seinem aktuellen Stand müsste der Index 32% korrigieren um alleine an den Durschnitt zu kommen. Da die Märkte aber gerne übertreiben, würde eine Korrektur erstmal stärker ausfallen und somit das KGV deutlich unter dem Durchschnitt fallen lassen. 

Die Brisanz bei all dem: der Aktienmarkt ist nicht homogen angestiegen. Ein Drittel der im S&P 500 enthaltenen Aktien haben diesen steilen Anstieg mitgetragen. Zwei Drittel hinken der Performance deutlich hinterher. Somit lässt sich bereits erahnen, wie heftig einige Werte inzwischen überbewertet sind. Wie lange eine solche Überbewertung anhält, lässt sich leider nicht sagen. Nur eines ist gewiss, dass bislang jede Überbewertung irgendwann ein schmerzliches Ende genommen hat. Normalerweise führt eine Rezession irgendwann zu einer starken Korrektur der Überbewertungen. Aktuell lässt sich jedenfalls eine solche an den Konjunkturdaten noch nicht ablesen, so dass die hohen Bewertungen durchaus noch einige Monate anhalten könnten. Eine weitere Möglichkeit, weshalb die überbewerteten Aktien korrigieren könnten: wenn sich die Weisheit offenbaren sollte, dass die hohen Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz nicht den gewünschten Ertrag erbringen.

  • Deutschland & Europa – Uneinigkeit auf ganzer Linie

Der politische Neuanfang in Berlin sendet wichtige Signale an die Wirtschaft: Bürokratieabbau und eine wirtschaftsfreundlichere Agenda. Eine enorme Neuverschuldung wird hierfür in die Hand genommen. Abgesehen von der Neuverschuldung ist die Idee, einiges umzukrempeln und zu fördern eine gute Idee, da es bei uns tatsächlich nicht rund läuft. Investitionsausgaben tragen zum wirtschaftlichen Aufbruch bei. Investitionen schaffen Mehrwert. Konsum verbraucht. Und genau hier zeigt sich derzeit der Knackpunkt. Zu viele Gelder sollen dazu beitragen, Haushaltslöcher der Kommunen zu stopfen, Sozialausgaben, laufende Ausgaben und Subventionen zu finanzieren. Das meiste davon hat konsumtiven Charakter. Dies wird die Wirtschaft zwar kurzfristig unterstützen, jedoch fehlt hier die Nachhaltigkeit. Zu Recht kritisieren u.a. Bloomberg, das ifo-Institut und sogar der Sachverständigenrat der Bundesregierung diese Praxis. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Deutschland ist nicht nur aufgrund seiner früheren Wirtschaftsstärke ein Stabilitätsanker für die Europäische Union. Gerade seine verhältnismäßig niedrige Verschuldungsquote hat für die EU bereits einige Male die bösen Geister vertrieben. Wenn die Wirtschaftskraft und die angemessene Verschuldung aufs Spiel gesetzt werden, dann wird damit auch der Zusammenhalt der gesamten EU riskiert.

Europa besitzt zu wenige eigene Rohstoffe. Auch die Energie ist derzeit zu teuer, da einiges von extern eingekauft werden muss. Es wundert nicht, dass wir derzeit unter einem Industrieabbau und einer Insolvenzwelle leiden. Unternehmer sind bestrebt, die bestmögliche Rendite aus ihrem Kapital zu erwirtschaften. Somit sucht sich das Kapital automatisch bessere Investitionsbedingungen. Billige Rohstoffe, wenig Bürokratie und günstiges Personal sind hier nun mal die erste Wahl. Europa gehört derzeit nicht wirklich zur ersten Wahl. Einige Regierungen in Europa stöhnen aufgrund politischer Unregierbarkeit, da sich die politischen Machtverhältnisse aufgrund unzufriedener Bürger immer weiter verschieben. Auch Frankreich kann uns hierzu ein Lied singen. Und in Deutschland haben wir dieses Jahr ein Super-Wahljahr. 5 Bundesländer wählen eine neue Regierung. Das Regieren wird dadurch - mit Blick auf die Vorhersagen – sicherlich nicht einfacher werden. Es fällt uns zurzeit schwer, in Europa einen fruchtbaren Boden für steigende Aktienkurse zu sehen, denn es ist nicht ausreichend, wenn Länder wie Spanien, Griechenland und Italien uns aufzeigen, wie Wirtschaftswachstum geht.

  • Edelmetalle: Die Rückkehr der „harten Währung“

Eine der auffälligsten Entwicklungen des Jahres 2025 war der kräftige Anstieg der Edelmetallpreise. Gold und Silber markierten neue Höchststände. Diese Entwicklung ist die direkte Antwort des Marktes auf die protektionistische Politik der USA. Der Westen gegen den Globalen Süden. Einige Länder des Globalen Süden (China, Russland, Brasilien, Indien etc.) streben eine Reduzierung ihrer Verflechtungen mit den USA an. Ebenso planen diese eine eigene, durch Rohstoffe gedeckte, Währung und bereiten die Entmachtung des US-Dollars vor. Bereits in ein bis zwei Jahren will diese Gemeinschaft so weit sein.

Edelmetalle waren bislang eine Krisenwährung, wenn es um geopolitische Krisen ging. Bei schwacher Konjunktur haben in der Regel auch die Edelmetalle korrigiert. Wir sind gespannt, wie die Metalle sich künftig verhalten werden. Aufgrund der vielen globalen geopolitischen Spannungen bleiben wir derzeit optimistisch für diesen Sektor.

  • Technologie & KI: Vom Hype zur Anwendung

Der KI-Boom, der seit 2023 die Märkte trieb, tritt in eine neue Phase ein. In 2026 geht es nicht mehr nur darum, wer die besten Chips baut oder kauft (Infrastruktur), sondern wer mit der Anwendung von KI tatsächlich Geld verdient (Profitabilität). Die Bewertungen der Unternehmen sind bereits am Anschlag und nun ist es an der Zeit, monetäre Früchte zu liefern. Hier erwarten wir in 2026 einen Ausleseprozess, der einige Aktien empfindlich korrigieren lassen könnte. 

  • Asien, China und die Emerging Markets

Asien bleibt auch 2026 die dynamischste Wirtschaftsregion der Welt. Während viele westliche Industrienationen eher stagnieren, verzeichnen zahlreiche asiatische Länder ordentliche Wachstumsraten. Egal ob China, Indien, Vietnam, Philippinen, Indonesien, Malaysia etc. Wirtschaftlich läuft es in diesen Ländern mit Wachstumsraten zwischen 4,5% - 8% hervorragend. Der Globale Süden wird erwachsen und dies mit einer rasenden Geschwindigkeit. Nach Bereichen wie die E-Mobilität und grüne Energie (z.B. Solarmodule) strebt China nun auch eine Mitführerschaft im Bereich der KI an (neben den USA). Die Erfolge in diesem Sektor sind in der Tat bemerkenswert und zeigen uns Europäern unsere Grenzen auf. Auch wenn China weiterhin mit einer hohen Verschuldung der Unternehmen aus den Immobiliensektor zu kämpfen hat, macht es dennoch seine Hausaufgaben gut. Auch Lateinamerika zeigt ein solides Wachstum. Argentinien hat inzwischen einige Strukturreformen vollzogen und damit das Land wirtschaftlich wieder auf den richtigen Kurs gebracht. Brasilien, das mit Abstand wichtigste Wirtschaftsland in Lateinamerika, zeigt ebenso solide Wachstumszahlen. Das, nach einem Verhandlungszeitrum von beachtlichen 25 Jahren, final unterzeichnete Freihandelsabkommen (Mercosur) dürfte der Wirtschaftsregion einen weiteren Wachstumsschub verleihen. Solange Rohstoffe weiterhin stark nachgefragt werden, sollte das Wachstum robust bleiben. Auch die Bewertungen der Emerging Markets sind nicht zu hoch und werden deshalb auch weiterhin in unseren Empfehlungen Berücksichtigung finden.

 

Unser Fazit und Strategie für 2026

Für das Jahr 2026 sehen wir tatsächlich eine Verschiebung der Gewichte. Das blinde Wetten auf US-Techwerte dürfte nun ein Ende haben. Für diese Branche sehen wir das Risiko einer Neubewertung. Ansonsten bleiben wir dabei, dass wir weiterhin eine ausgewogene Struktur bevorzugen (flexible Mischfonds), da neben der hohen Bewertung des US Marktes (ebenso Europa und Japan) einige geopolitische Risiken vorhanden sind. Insbesondere das Kräfteziehen zwischen den USA (bemüht sich um die Vorherrschaft beim Öl) und China (Herrscher über die seltenen Erden) wird auch in 2026 zu einigen Krisenherden führen. Hinsichtlich der Anlagewährung bevorzugen wir derzeit den USD, da dieser gegenüber dem Euro Erholungspotenzial aufweist. Denn sowohl die konjunkturelle Entwicklung in den USA als auch die Realzinsdifferenz fallen im Vergleich zur Eurozone zugunsten des US-Dollars aus.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein gesundes, erfolgreiches und friedvolles Jahr 2026!

 

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